Sie haben eine Verordnung für orthopädische Einlagen erhalten – und stehen nun vor der Frage, in welche Schuhe diese Einlagen eigentlich hineinpassen. Das ist eine der häufigsten Fragen, die uns in der Beratung gestellt wird, und sie ist berechtigt: Eine Einlage kann nur so gut wirken wie der Schuh, in dem sie liegt. Im Folgenden erklären wir, worauf Sie beim Schuhkauf achten sollten und welche Möglichkeiten es gibt, wenn ein Lieblingspaar zunächst nicht geeignet erscheint.
Warum der Schuh über die Wirkung der Einlage entscheidet
Eine orthopädische Einlage verändert die Druckverteilung im Schuh. Sie stützt, entlastet oder korrigiert – und benötigt dafür Raum. Legt man eine Einlage in einen Schuh, dessen Innenvolumen bereits vollständig vom Fuß ausgefüllt wird, geschieht zweierlei: Der Fuß rückt nach oben, verliert im Zehenbereich an Höhe und wird zugleich seitlich stärker eingeengt. Statt Entlastung entstehen neue Druckstellen. Die Einlage arbeitet dann gegen den Schuh, nicht mit ihm.
Aus diesem Grund bitten wir Sie, zum Anpassungstermin die Schuhe mitzubringen, in denen Sie die Einlagen tatsächlich tragen möchten – am besten mehrere Paare aus unterschiedlichen Situationen: Alltag, Beruf, Sport. Wir fertigen die Einlagen dann passend zu diesen Schuhen und nicht nach einem theoretischen Standardmaß.
Die drei Prüfpunkte beim Schuhkauf
Wenn Sie neue Schuhe für Einlagen suchen, genügen drei Kriterien, um im Geschäft eine erste Auswahl zu treffen.
Herausnehmbares Fußbett. Lässt sich die vorhandene Innensohle vollständig entnehmen, entsteht genau der Raum, den die Einlage benötigt. Das ist das wichtigste Merkmal überhaupt. Schuhe mit fest eingeklebtem Fußbett scheiden für eine vollwertige Versorgung in der Regel aus.
Ausreichende Weite und Tiefe. Der Vorfuß braucht Breite, der Bereich über dem Spann braucht Höhe. Viele Hersteller bieten Modelle in unterschiedlichen Weiten an – häufig gekennzeichnet mit H, K oder Vergleichbarem. Ein Schuh, der ohne Einlage bereits knapp sitzt, wird mit Einlage nicht besser.
Fester Fersenhalt. Die Ferse muss sicher geführt werden, sonst rutscht der Fuß auf der Einlage nach vorn und die Stützelemente liegen nicht mehr dort, wo sie liegen sollen. Prüfen Sie die Fersenkappe: Sie sollte sich mit dem Daumen nicht ohne Weiteres eindrücken lassen.
Sneaker, Businessschuh, Sandale: Was jeweils möglich ist
Sportschuhe und Sneaker sind meist unproblematisch, weil sie fast durchgängig ein herausnehmbares Fußbett besitzen und in ausreichender Tiefe gebaut werden. Bei Laufschuhen achten wir zusätzlich darauf, dass die Einlage die Dämpfungseigenschaften des Schuhs nicht aufhebt.
Bei Businessschuhen ist die Bauweise entscheidender. Rahmengenähte Modelle bieten häufig mehr Innenvolumen als flach verklebte. Hier lohnt es sich, vor dem Kauf mit uns zu sprechen – oft lassen sich schlanke Einlagenkonstruktionen fertigen, die optisch unauffällig bleiben und dennoch wirken.
Sandalen und offene Schuhe sind der schwierigste Fall, weil der Fuß seitlich kaum geführt wird. Es gibt jedoch Sandalenmodelle mit austauschbarem Fußbett, die sich für Einlagen eignen. Für Stiefel gilt: Der Schaft spielt keine Rolle, entscheidend bleibt die Konstruktion im Fußbereich.
Wie lange dauert die Eingewöhnung?
Neue Einlagen fühlen sich am Anfang ungewohnt an. Das ist normal, denn der Fuß wird in eine Stellung geführt, die er zuvor nicht eingenommen hat. Wir empfehlen, die Einlagen in den ersten Tagen nur einige Stunden zu tragen und die Tragezeit dann schrittweise zu steigern. Nach etwa zwei bis vier Wochen ist die Eingewöhnung in den meisten Fällen abgeschlossen.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen ungewohnt und schmerzhaft. Ein leichtes Spannungsgefühl gehört zur Umstellung. Punktueller Druck, Reibung oder Schmerzen gehören es nicht – in diesem Fall bitten wir Sie, mit den Einlagen zu uns zu kommen. Nachjustierungen gehören zur Versorgung dazu und sind kein Zeichen dafür, dass etwas falsch gemacht wurde.
Wenn kein Schuh passt: Anpassen statt neu kaufen
Manchmal gibt es ein Paar, das nicht ersetzt werden soll – aus Gewohnheit, aus beruflichen Gründen oder weil es schlicht das einzige ist, in dem der Fuß bisher gut zurechtkam. In diesen Fällen prüfen wir, ob sich der vorhandene Schuh zurichten lässt. Eine Weitung im Vorfußbereich, eine angepasste Innensohle oder eine Zurichtung an der Laufsohle können den Unterschied ausmachen. Häufig ist das der bessere Weg als ein Neukauf auf gut Glück.
Bringen Sie Ihre Schuhe mit
Ob ein Schuh für Ihre Einlagen geeignet ist, lässt sich in wenigen Minuten beurteilen – am zuverlässigsten mit dem Schuh in der Hand.